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Kritische Betrachtung des Erneuerbare-Wärme-Gesetzes Baden-Württemberg (EWärmeG BW) im Hinblick auf den Austausch fossiler Heizungsanlagen – Schultz projekt consult

Kritische Betrachtung des Erneuerbare-Wärme-Gesetzes Baden-Württemberg (EWärmeG BW) im Hinblick auf den Austausch fossiler Heizungsanlagen

Der Absatz von Gas- und Ölkesseln ist in Baden-Württemberg im Gegensatz zum Bundesgebiet rückläufig, Baden-Württemberg weist dafür aber niedrigere Modernisierungsraten als der Bundesschnitt auf. Seit 2010 hat Baden-Württemberg bei den Modernisierungsraten zwar etwas aufgeholt, Teile dieses Anstiegs sind aber auf den Vorzieheffekt durch das EWärmeG zurückzuführen. Dementsprechend sinkt die Modernisierungsrate in Baden-Württemberg nach Inkrafttreten der EWärmeG-Novelle 2015 wieder. Es wird aber von einer Erholung der Modernisierungsrate nach 2016 ausgegangen.
Es besteht ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Preisentwicklung und der Kaufentscheidung für Heizkessel. Steigen die Preise für Heizöl gehen die Verkaufszahlen für Ölkessel zurück, umgekehrt nehmen die Verkäufe für Ölkessel zu, wenn die Energieträgerpreise sinken. Da die Erdgaspreise vergleichsweise konstant bleiben, zeigen sich bei Gaskesseln nur wenige Effekte auf die Kaufentscheidung. Aufgrund der schlechten Datenqualität lassen sich beim Rückbau von Gaskesseln belastbare Schlüsse nur schwer ziehen, die Daten zeigen tendenziell aber einen leichten Rückgang der Modernisierung von Gaskesseln seit Inkrafttreten des EWärmeG 2010. Hinsichtlich der Rückbauraten von Ölkesseln zeigt sich für Baden-Württemberg nach zwei Spitzenjahren 2006/2007 und 2007/2008 mit über 7 % Austauschraten ein eindeutiger Rückgang ab 2009/2010 (Effekt durch EWärmeG) im Vergleich zum Bundesgebiet.
Eine positive Wirkung des EWärmeG zeigt sich anhand der steigenden Zahl von Energieberatungen speziell für BAFA-vor-Ort-Beratungen, welche 2015 mit Beginn der Erfüllungsoption „Sanierungsfahrplan “ deutlich angestiegen sind. Das EWärmeG scheint auch auf Energieberatungen, die nicht als Erfüllungsoption zugelassen sind, einen leichten Einfluss durch eine Anreizwirkung zu haben. Insgesamt deutet die Untersuchung der Energieberatungen und KfW-geförderten Sanierungsmaßnahmen auf leicht positive Impulse durch das EWärmeG hin.
Zu beachten ist, dass der Zeitpunkt von Effizienzmaßnahmen wie dem Kesseltausch als auch die Entscheidung für erneuerbare Energien und Maßnahmen zur Gebäudesanierung von mehreren Faktoren abhängt wie beispielsweise der Energiepreisentwicklung, der relativen wirtschaftlichen Attraktivität der einzelnen Energieträger, den subjektiven Investitionsentscheidungen und verhaltensökonomischen Effekten oder Änderungen von Förderbedingungen.
Laut BDH führen die Nutzungspflichten für erneuerbare Energien im Gebäudebestand zu Attentismus und weniger Investitionen in die Modernisierung von Heizungsanlagen. Die Einführung und spätere Änderung/Verschärfung von Ordnungsrecht führt zu Vorzieheffekten. Der Baden-Württembergische Modernisierungsmarkt im Heizungsbereich fällt laut BDH auch nach der Novelle des EWärmeG BW im Jahr 2015 erneut hinter den Bundesschnitt zurück. Das Ziel, einen höheren Anteil von erneuerbaren Energien über Nutzungspflichten zu erreichen, wird durch das Gesetz und die Novelle verfehlt (Ausnahme Holzzentralheizungen).
Eine Anwendung des EWärmeG BW auf Ballungsräume wie Berlin ist nicht zu empfehlen, da Baden-Württemberg eine andere Siedlungsstruktur (Ein- und Zweifamilienhäuser) und einen dadurch höheren Ölkesselbestand aufweist als beispielsweise Berlin mit seinem charakteristischen Geschosswohnungsbau. Auch wegen der unterschiedlichen Dichte an Erdgasverteilnetzen im Land- und Ballungsgebiet sowie der ungleichen Gasversorgung durch das deutsche Nord-/Südgefälle wird von einer Übertragung abgeraten.

 

 

Download der Studie

 

Autoren: Caroline Dinse und Reinhard Schultz

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