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Eckpunkte für ein vernünftiges Strommarkt-Design – Die Renaissance der Biomasse kommt schneller als mancher glaubt – Schultz projekt consult

Eckpunkte für ein vernünftiges Strommarkt-Design – Die Renaissance der Biomasse kommt schneller als mancher glaubt

Eckpunkte für ein vernünftiges Strommarkt-Design - Die Renaissance der Biomasse kommt schneller als mancher glaubt

Allmählich schwant es allen: Die fluktuierenden erneuerbaren Energien werden sich nicht selbst absichern. Wer Versorgungssicherheit und Netzausfälle vermeiden will, muss ein Backup organisieren. Das wäre mit lebensverlängernden Maßnahmen und Subventionen für die Bereithaltung entsprechender Kapazitäten bei fossilen Bestandskraftwerken leicht möglich. Aber das wäre teuer und würde mittelfristig die Treibhausgas-Minderungsziele in unerreichbare Ferne rücken. Sonne und Wind auszubauen hatte schließlich nur ein Ziel: Die Reduzierung von Treibhausgasen. Also müssten Kraftwerke her, die erneuerbare Brennstoffe einsetzen, zumindest anteilig. Wie überhaupt die Treibhausgasminderung Maßstab für die finanzielle, genehmigungsrechtliche oder ordnungsrechtliche Förderung neuer Kraftwerke sein sollte. Es ist ein echtes Paradoxon, dass der schnelle Anstieg CO2-freier Stromerzeugung gleichzeitig dazu führt, dass am “alten Markt“ die Kraftwerke mit den höchsten CO2-Emissionen noch am ehesten überleben. Erdgas hat keine Chance, Biomethan und andere Biomasse schon gar nicht. Das neue Strommarkt-Design sollte von folgenden Eckpunkten geprägt sein:

  • Längs der natürlichen Sterbelinie der Bestandskraftwerke werden bedarfsgerecht effiziente KWK-Anlagen aufgebaut.
  • Die neuen KWK-Anlagen werden so gefördert, dass die geringste THG-Emission die höchste Förderung erfährt.
  • Bestands-KWK-Anlagen können länger gefördert werden, wenn sie ihre CO2-Bilanz deutlich verbessern, zum Beispiel durch einen geänderten Brennstoffeinsatz.
  • Biomasse und besonders Biomethan hätten zwar unerwartet, aber zu Recht eine schnelle Renaissance.
  • Alle KWK-Anlagen müssen nicht nur ihre Wärmeverträge erfüllen, sondern zugleich flexibel fahrbar und von außen steuerbar sein.
  • Um Erzeugung und Lasten steuern zu können, muss endlich mit smart grids zumindest auf der Verteilnetzebene ernst gemacht werden. Ein breiter Rollout von Smart Metern ist längst überfällig (übrigens für Strom und Gas).
  • Nicht mehr die Übertragungsnetzbetreiber sind für die Systemstabilität in erster Linie verantwortlich, sondern die Verteilnetzbetreiber. Die Hierarchie der Netzebenen wird subsidiär ausgestaltet.
  • Unterstützung finden die Netzbetreiber beim Handel, den bilanzkreisverantwortlichen. Die werden verpflichtet stabile Produkte mit steigendem Anteil erneuerbarer Energien anzubieten.
  • EEG-Vergütung darf es ab 2016 nur noch für tatsächlich verkauften Strom geben. Das verknappt das Angebot, stabilisiert die Börsenpreise und dämpft den EEG-Umlagebedarf.
  • Die eingesparten Umlagegelder werden zum Teil umgeleitet in die Umgestaltung der KWK/Forderung im Hinblick auf die geschilderte Treibhausgaskomponente, die Absicherung der Bestandsanlagen und den Zubau. Die 750 Millionen Euro im Jahr, mit denen die KWK-Förderung derzeit gedeckelt ist, reichen bei weitem nicht aus.
  • Ein so ausgestaltetes dezentrales Erzeugungssystem hilft, Netzausbaukosten und Systemkosten einzusparen. Bliebe alles beim Alten, oder würde neben den subventionierten EE-/Markt ein ebenfalls subventionierter Kapazitätsmarkt gestellt, würden die Systemkosten über die Netzentgelte sehr schnell die EEG-Umlage als Peanuts erscheinen lassen.

Wenn diese Eckpunkte Konsens wären, dann könnten die notwendigen Gesetzgebungsarbeiten sehr schnell und gut koordiniert zum Erfolg gebracht werden.

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