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Dezentralisierung der Energieversorgung dringend notwendig – Schultz projekt consult

Dezentralisierung der Energieversorgung dringend notwendig

Dezentralisierung der Energieversorgung dringend notwendig

Energiepolitik ist nicht einfach. Alles hängt mit allem zusammen. Soeben wurde in einem Workshop des Bundeswirtschaftsministers die „Potenzial- und Kosten-Nutzen-Analyse zur den Einsatzmöglichkeiten von Kraft-Wärme-Kopplung sowie Evaluierung des KWKG im Jahr 2014“, die unter Federführung der Prognos AG erarbeitet wurde, vorgestellt und erstmals diskutiert. Ergebnis: Die Potenziale sind riesig, aber das Ziel, bis 2020 25 Prozent der Stromversorgung auf KWK-Basis zu organisieren, ist mit den bisherigen Instrumenten nicht zu erreichen. Derzeit liegen wir bei etwa 17 Prozent, wobei der Aufwuchs in den letzten Jahren im Wesentlichen durch das EEG durch Biogas- und Biomethan-Anlagen erreicht wurde. Dieser Treiber fällt nach Novelle des EEG praktisch weg.

Das Defizit ist offenkundig: Regenerative KWK sollte die Erdgas-KWK ergänzen. BdEW, KWK kommt, der Biogasrat+ und etliche andere Teilnehmer forderten deswegen auch, fossile und erneuerbare Brennstoffe in der anstehenden Novelle des KWK-Gesetzes zu berücksichtigen.

  • Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine Studie von Prof .Dr. Erdmann (TU Berlin), Werner Bohnenschäfer (IE Leipzig und Schultz Projekt Consult im Auftrag des Biogasrat + e.V. Dort wird deutlicher noch, als bei Prognos gefordert, dass KWK schrittweise längs ihrer natürlichen Sterbelinie lastferne Großkraftwerke ersetzen soll. Da etwa 40 Prozent der installierten Leistung von Sonne und Wind brennstoffbasiert abgesichert werden müssen, die fast ausschließlich an die Verteilnetze angeschlossen sind, sollte das Backup ähnlich dezentral erfolgen. Das könnte KWK gut leisten, wenn sie neben dem Brot- und Buttergeschäft – nämlich Wärme und Strom in der Grundversorgung – auch Systemenergie liefert. Die Bilanzkreisverantwortlichen, also der Stromhandel sollten in Pflicht genommen werden, in sich stabile Stromangebote zu gewährleisten. Da mit 40 Prozent Backup-Bedarf aber die Treibhausgasziele verfehlt werden, wenn KWQK ausschließlich fossil betrieben wird, ist die Öffnung zur Biomasse, besonders Biomethan zwingend. Mit einer solchen Strategie würde zudem ein subventionierter Kapazitätsmarkt ganz oder überwiegend vermieden. Dafür bedarf es jedoch einer Leitentscheidung der Politik im Hinblick auf die Strukturen des künftigen Strommarktes.

    Auch bei der Beschreibung anderer Restriktionen liegen Prognos und   die KWK-Community nahe beieinander. Die großen Potenziale der industriellen KWK werden nicht gehoben, wenn das Eigenstromprivileg weiterhin kritisch diskutiert wird, wie in der EEG-Debatte. Die zahlreichen regulativen Diskriminierungstatbestände gegenüber dem Geschäftsmodells des Contractings behindern die Entscheidung zugunsten von KWKJ-Anwendungen bei all den Nutzern, die nicht selbst ein (Klein)-Kraftwerk betreiben wollen. Contracting-KWK und Eigenerzeugung in KWK müssen regulatorisch gleichgestellt werden.

    KWK ist effizient und stiftet dreierlei Nutzen: Wärme, Grundlaststrom und Systemenergie. Mit der bisherigen Förderung wird es entgegen allen politischen Bekenntnissen z.B. im Koalitionsvertrag eher einen Rückgang als einen Aufwuchs geben. Forderungen mancher Betreiber, das Sterben von Bestands-KWK zu verhindern, indem deren Förderung verlängert wird sind richtig. Wenn aber die politische Antwort wäre, dass die 750 Millionen Euro, die derzeit für KWK-Förderung zur Verfügung stehen, ausschließlich in die Absicherung des Bestandes gehen sollen, der verhindert die Zukunft der dezentralen Energieversorgung.

    Reinhard Schultz, Geschäftsführer der Schultz Projekt Consult

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