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Trauerspiel Vattenfall birgt auch Chancen – Schultz projekt consult

Trauerspiel Vattenfall birgt auch Chancen

Trauerspiel Vattenfall birgt auch Chancen

Einst ging es um eine neue Vierte Kraft im Stromwettbewerb, als sich zunächst die VEW, nach deren Integration in die RWE, die HEW mit Erfolg darum bemühte, aus den früheren ostdeutschen Beteiligungen der westdeutschen Stromriesen ein eigenständiges Unternehmen zu formen. Ich hatte das Glück und die Gelegenheit, diesen Prozess zu unterstützen und über Jahre zu begleiten. Das deutsche und das europäische Kartellamt hatten nach den Mega-Fusionen von PreußenElektra und den Bayernwerken zu E.on und von RWE und VEW zu RWE die Entflechtung der ostdeutschen Beteiligungen zur Bedingung gemacht. Zwischenzeitlich hatte sich der schwedische Staatskonzern Vattenfall AB zu 50 Prozent an der HEW beteiligt und unterstützte diesen Prozess. Die Veag, die Laubag, die Bewag und die übrigen 50 Prozent von HEW wurden zur Vattenfall Europe AG verschmolzen. Die hohen Fördererwartungen an die ostdeutsche Braunkohle ließ sich die Bundesrepublik Deutschland geradezu vergolden. Ab schön früh regte sich in der schwedischen Politik Widerstand gegen die erheblichen Treibhausgas-Emissionen in Ostdeutschland und gegen die mit der Erschließung der Tagebaue verbundenen Umsiedlungen. Ich war deswegen des Öfteren in Stockholm. Aber letztendlich ertrug das die schwedische Politik mehr oder weniger augenzwinkernd, weil sich der Zusammenkauf von Vattenfall schließlich nicht nur selbst finanzierte, sondern zu erheblichen Überschüssen zugunsten der schwedischen Staatskasse führte, auch ohne glänzende Managementleistungen. Das hat sich nun geändert. Zwar führen Braunkohlenkraftwerke die Merit Order an, aber wegen des Überschusses an Strom insgesamt sind die Börsenpreise im Keller. Rot-Grün in Stockholm haben vereinbart, die eigene Treibhausgasbilanz auf zu hübschen, indem der Bergbau und die Kraftwerke in der Lausitz ganz oder teilweise verkauft werden. Dadurch ist dem Klima zwar nicht geholfen, denn die Braunkohle wird auch unter neuen Eigentümern natürlich weiter verstromt, aber der schwedischen Zero-Emission- Wohlfühlkultur mit Wasser- und Kernkraft ist genüge getan. Viele potenzielle Käufer gibt es sicher nicht. Es ist Mining and Generation zu wünschen, in finanzkräftige und vor allem sachkundige Hände zu kommen, auch im Interesse der Mitarbeiter und der betroffenen Regionen. Das letzte Braunkohlenkraftwerk in Deutschland wird voraussichtlich 2055 vom Netz gehen. Längs dieser natürlichen Sterbelinie gilt es ohne Strukturbrüche etwas tragfähiges Neues aufzubauen. Aber so lange wird die Kohle noch gebraucht. Wie im Übrigen die heimische Erdgasförderung auch. Und das sage ich als einer, der für ein hartes Treibhausgasregime und eine Reform des THG-Handels eintritt, der an die erneuerbaren Energie glaubt und die Zukunft eher in einer verbrauchs- und lastnahen dezentralen Energieversorgungsstruktur sieht.

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